Ich bin davon überzeugt, dass der nachhaltige Betrieb von Veranstaltungsorten eine zentrale Zukunftsaufgabe unserer Branche ist – nicht als Nebenthema, nicht als kommunikative Zusatzschleife und auch nicht nur als Reaktion auf regulatorischen Druck, sondern als grundlegende Frage von Verantwortung, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlicher Wirkung.
Veranstaltungsorte sind weit mehr als Gebäude, in denen Events stattfinden. Sie sind Orte der Begegnung, der Kultur, der Information, des Austauschs und der gemeinsamen Erfahrung. In Arenen, Stadien, Theatern, Messehallen, Kongresszentren, Stadthallen und Kulturhäusern kommen Menschen zusammen, um Musik, Sport, Wissen, Debatten, Gemeinschaft und Emotion zu erleben. Gerade deshalb haben Veranstaltungsorte eine Wirkung, die weit über ihren eigenen Betrieb hinausgeht. Sie prägen Mobilität, Ressourcenverbrauch, Lieferketten, Konsumverhalten, Stadtentwicklung und nicht zuletzt auch das gesellschaftliche Miteinander.
Die Veranstaltungswirtschaft hat damit einen erheblichen Einfluss – ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Wo viele Menschen zusammenkommen, entstehen zwangsläufig auch relevante Umweltwirkungen: Energieverbrauch, Wärme, Wasser, Abfall, Verkehr, Materialeinsatz, Catering, technische Infrastruktur und Betriebszeiten sind nur einige der Bereiche, in denen Veranstaltungsorte einen realen Hebel haben. Gleichzeitig sind Veranstaltungsorte aber auch wirtschaftliche Systeme. Sie müssen tragfähig betrieben, finanziert, instand gehalten und weiterentwickelt werden. Nachhaltigkeit kann deshalb nur dann wirksam sein, wenn sie nicht gegen wirtschaftliche Realitäten gedacht wird, sondern als Teil von langfristiger Stabilität, Risikofähigkeit und Zukunftssicherung verstanden wird.
Genau hier wird aus meiner Sicht oft zu kurz gedacht. Noch immer wird Nachhaltigkeit in vielen Organisationen vor allem nur als Kostenfaktor betrachtet – als etwas, das man sich leisten können muss. Dabei zeigen zahlreiche Erfahrungen und Untersuchungen, dass genau das zu kurz greift. Nachhaltigkeit kann helfen, Energie- und Betriebskosten zu senken, Ressourcen effizienter einzusetzen, Risiken zu reduzieren, Prozesse klarer zu strukturieren und damit auch wirtschaftliche Robustheit zu stärken. Wer heute in effiziente, gut gesteuerte, nachvollziehbare und zukunftsfähige Betriebsweisen investiert, schafft häufig nicht nur ökologische Verbesserungen, sondern auch eine bessere wirtschaftliche Grundlage für die kommenden Jahre.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die Erwartungen an Veranstaltungsorte verändern sich spürbar. Auftraggeber, Partner, Sponsoren, Kommunen, Investoren, Besucher und Mitarbeitende achten zunehmend darauf, wie glaubwürdig und verantwortungsvoll ein Veranstaltungsort mit Nachhaltigkeit umgeht. Es geht dabei längst nicht mehr nur um Image. Es geht um Wettbewerbsfähigkeit, um Anschlussfähigkeit an Anforderungen aus der Lieferkette, um ESG-Fragen, um Berichtspflichten, um Investitionsfähigkeit und um die grundsätzliche Frage, ob ein Standort in Zukunft als relevant und verantwortungsvoll wahrgenommen wird. Wer diese Entwicklung ignoriert, riskiert mittelfristig nicht nur Reputationsverluste, sondern auch wirtschaftliche Nachteile.
Gleichzeitig darf Nachhaltigkeit in der Veranstaltungswirtschaft nicht auf Umweltkennzahlen reduziert werden. Veranstaltungsorte sind immer auch soziale Räume. Sie sind Arbeitsorte für viele Menschen, sie sind Plattformen für Kultur und Dialog, sie stiften Zugehörigkeit, Identifikation und Gemeinschaft. In einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt, demokratische Kultur und öffentliche Debatten unter Druck stehen, kommt diesen Orten eine besondere Bedeutung zu. Veranstaltungsorte ermöglichen Begegnung zwischen sehr unterschiedlichen Menschen. Sie schaffen öffentliche Räume für gemeinsames Erleben, für Austausch und für kulturelle Teilhabe. Sie können dazu beitragen, Offenheit, Vielfalt, Inklusion und demokratische Beteiligung sichtbar und erlebbar zu machen.
Gerade deshalb ist nachhaltiger Betrieb für mich auch immer eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung. Es geht nicht nur darum, Verbräuche zu reduzieren oder Standards einzuhalten. Es geht auch darum, Veranstaltungsorte so zu führen, dass sie langfristig tragfähig, zugänglich, fair, sicher und relevant bleiben. Ein nachhaltiger Veranstaltungsort ist aus meiner Sicht ein Ort, der wirtschaftlich vernünftig arbeitet, mit Ressourcen verantwortungsvoll umgeht, Menschen ernst nimmt und seine Rolle in Gesellschaft und Stadt bewusst wahrnimmt.
Diese Überzeugung speist sich bei mir nicht nur aus Theorie, sondern aus vielen Jahren praktischer Erfahrung in der Veranstaltungswirtschaft. Ich habe erlebt, wie stark Veranstaltungsorte wirken können – auf Menschen, auf Teams, auf Städte und auf ganze Branchenumfelder. Ich habe aber auch erlebt, wie schnell gute Absichten scheitern, wenn Nachhaltigkeit nicht in Prozesse, Zuständigkeiten und betriebliche Logiken übersetzt wird. Genau deshalb halte ich den nachhaltigen Betrieb für so entscheidend: Weil er der Punkt ist, an dem Haltung in Realität übergeht.
Ein Veranstaltungsort wird nicht nachhaltig, weil er einzelne Maßnahmen umsetzt oder gute Absichten formuliert. Nachhaltigkeit wird erst dann wirksam, wenn sie in den laufenden Betrieb integriert wird – in Entscheidungen, in Beschaffung, in Wartung, in Kommunikation, in Zielsysteme, in Verantwortlichkeiten und in die Art, wie mit Partnern, Besuchern und Mitarbeitenden gearbeitet wird. Nachhaltigkeit muss Teil der normalen Betriebslogik werden. Nicht als Sonderprojekt, sondern als selbstverständlicher Bestandteil professioneller Führung und Entwicklung.
Ich bin überzeugt: Wer Veranstaltungsorte nachhaltig betreibt, stärkt nicht nur Umweltleistung und Ressourceneffizienz, sondern auch wirtschaftliche Stabilität, Zukunftsfähigkeit und gesellschaftliche Relevanz. Genau deshalb ist nachhaltiger Betrieb für mich kein Trend, sondern eine langfristige Notwendigkeit – und zugleich eine große Chance für unsere Branche, Verantwortung und Wirkung glaubwürdig miteinander zu verbinden.
Dafür habe ich mein Unternehmen Sustainable Venue gegründet.
Ich freue mich sehr, wenn ich Sie auf Ihrem Weg zum nachhaltigen Betrieb Ihres Veranstaltungsortes begleiten kann.
Mike Keller
Gründer und Geschäftsführer von Sustainable Venue
Hamburg, im April 2026

